Duo Michael Speier, Joachim Gies „wüste pfade“
Der Germanist und Herausgeber der Literaturzeitschrift „Park“, Michael Speier, führt sein literarisches Ich in den Süden der USA. …
Neben Speier, immer Blickkontakt haltend, der Saxophonist Gies mit seinem kupfern glänzenden Horn. Seine Aufgabe war die experimentelle Begleitung und sogar Untermalung der Speier’schen Gedichte. So gesehen machte er seine Sache sehr gut. Anstatt sein Blasinstrument einfach nur zu spielen und vielleicht Romantisches in den Raum zu stellen, nahm er sich des Themas im Besonderen an. Gies saugte, atmete rhythmisch und röchelte lustvoll in sein Instrument. Als er seine Experimentierfreude vollends entfesselte und es auch noch mit diversen Hilfsmitteln, bunten Kunststoffverlängerungen, Schläuchen und mächtigen grauen Rohren versah, mag mancher der angestrengt und intensiv in den Raum hineinhorchenden Galeriegäste konkretere Assoziationen entwickelt haben. Durchaus vom Künstlerduo beabsichtigt.
…
Zum einen operierte Gies mit seinen bunten Spielereien so offenkundig heiter, als ob er gerade selber mit seinem Horn ein lustvolles Bette teilte. Zum anderen - da sei zur Überprüfung die Lektüre empfohlen - sind Speiers Texte zugleich tiefintim wie hochgelehrt.
Potsdamer Neueste Nachrichten, 11.01.2006