Aufführungen von „Weißes Summen“
Eine komponierte Annäherung an Lieder der Winterreise von Franz Schubert bei der Lesereise zur Präsentation der Biographie „Peter Härtling: Vielleicht ein Narr wie ich“ mit Detlef Berentzen und Peter Härtling.
Und fürs Ohr hatte Berentzen aus Berlin eigens den Saxofonisten Joachim Gies mitgebracht. Der ist freilich auch Komponist. Weißes Summen überschrieb er seine Annäherung an die Lieder aus der Winterreise Franz Schuberts. Das kommt nicht von ungefähr. Franz Schubert widmete Härtling einen Roman. Er ist einer der Wanderer, der Grenzgänger, die er dichterisch in seine Stube holte.
Härtling ließ Szenen aus Schuberts Leben in seine Melchinger Winterreise einfließen, empfahl für dieses Stück Lieder des Komponisten. So wurden sie zu seiner Lebensmusik, zu seiner Lebensmelodie. Packend war es, wie sich Gies dieser Lebensmusik näherte. Modern. Perkussiv. Virtuos abstrakt. Und dann schwebt doch ganz sanft, ja zärtlich, die Melodie vom Lindenbaum am Brunnen vor dem Tore ein. Das passt, hat Stil und Klasse. (…)
Als Joachim Gies zum Ende mit einer Hand das Saxofon spielend und mit der anderen einen klingenden Schlauch schwingend durch die Kreuzkirche geht, ist es, als gehe das Kind tatsächlich dem Dichter voran. Ein stimmungsvolles Ende eines spannenden und abwechslungsreichen Abends, der tatsächlich Lust zum Lesen machte.
Andreas Warausch, Nürtinger Zeitung 09.11.06
