Geistertänze auf dem Saxophon
Der Saxophonist Joachim Gies ist im guten Sinne des Wortes besessen von der Erforschung der allervollständigsten Klangmöglichkeiten seines geliebten Instruments. Mit Hilfe verschiedener, größtenteils selbständiger Hilfsmittel, vermag sein Saxophon klagend wie ein Wolf zu wimmern oder leise wie der Nordwind zu blasen (Sie können es glauben: das sind vollkommen verschiedene Klänge), afrikanisches Tamtam und Bluesrhythmusgitarre darzustellen, den Kehlgesang fernöstlicher Völker zu imitieren und mit den geräuschlosen Tänzen der Geister wettzueifern. Dies alles und noch viel mehr führte Joachim Gies am vergangenen Mittwoch den Besuchern unserer Nationalbibliothek vor, die sich seine Performance ‚Wir sind wie Baumstämme im Schnee’ ansahen.
Um das Element schöpferischen Wahnsinns hinzuzufügen, gab Gies Stücke aus den Werken des Klassikers der Weltliteratur des Absurden Franz Kafka dazu. Sie wurden untermischt mit Klängen zunächst auf Deutsch, dann auf Russisch von zwei Freunden des Solisten vorgelesen, nämlich seinem Landsmann, dem bildenden Künstler Ulrich Werner und der Übersetzerin deutscher Literatur Galina Kuborskaja, der Witwe des Dichters Genadij Ajgi. Selbstverständlich begleitete Gies auch Werner zur Eröffnung der Kunstausstellung des Freundes, die in Tscherboksary stattfand.
‚Ich möchte mich mit der nationalen tschuwaschischen Musik vertraut machen, um die archaischen Klänge zu erforschen, die ihre Grundlage bilden’, sagte der Musiker dem Korrespondenten der ‚S Tsch’ über die Ziele seines Besuches. Er fügte hinzu, dass er vor einigen Monaten (im Rahmen der Deutschlandtage in Burjatien) an einem ähnlichen Ereignis in Ulan-Ude mit Ulrich Werner teilgenommen hat.
Pressestimmen aus Tscheboksary (Russische Föderation), Oktober 2008