Ein Klangerlebnis: Joachim Gies spielt auf seinem Saxophon keine gewöhnliche Musik.
Heiße Luft und schräge Töne
Joachim Gies ist kein normaler Saxophonist
Oerlinghausen (Klaas Büker) „Ich wusste gar nicht, dass man aus diesem Instrument solche Töne rauskriegt“, flüsterte ein Zuhörer. Die Verblüffung war allgemein groß am Sonntagabend im Altstädter Musiksalon „Tonkunst“, als der Berliner Joachim Gies seinem Saxophon die unglaublichsten Töne entlockte. Das Programm „Lauschen und Rauschen“ war so ziemlich alles, nur kein gewöhnliches Konzert mit gewöhnlicher Musik. Gerade deshalb faszinierte der Musiker, weil er den Gästen Klänge präsentierte, die einem klassischen Saxophonisten vielleicht beim Aufwärmen passieren, aber nicht beim Auftritt. Mal dissonante Melodien, mal sphärisch anmutende Zwischentöne, manchmal nur rauschende Luft. Das, was Joachim Gies spielte, klang improvisiert und war es doch nicht. „Es sind eigene Kompositionen mit neuen Klangfarben und neuen Spieltechniken“, betonte er.
„Lauschen und Rauschen“ – der Titel war Programm. Die Zuschauer mussten manchmal genau hinhören, um die leisen Töne zu bemerken, die Gies mit seinem Instrument produzierte. Oft war es ein leises Rauschen, wenn statt Tönen Luft aus dem Saxophon entwich. „Mich interessieren bei meiner Arbeit besonders die Übergänge von Luft zum Ton“, erklärte er seine Experimente. Auch ein Gartenschlauch kam zum Einsatz, der – wenn der Musiker ihn schnell genug durch die Luft kreisen ließ – einen sonoren Ton von sich gab. Dazu eine Melodie auf dem Saxophon und die Zuhörer waren mitten in einem Klangerlebnis, das von allen Seiten auf sie einzuwirken schien. Ein bisschen wie eine Fliege, die quer durch den Raum schwebt und ihr Summen mal aus der einen, mal aus der anderen Zimmerhälfte hören lässt.
Joachim Gies tritt in seiner Heimat Berlin meistens in Kirchen auf. Das Konzert im kleinen Musiksalon war für den Musiker deshalb eine neue Herausforderung. „Ich muss mich mit meinen Klängen etwas zurücknehmen, um die Zuhörer nicht zu überfallen“, meinte er. „In größeren Räumen ist es leichter zu spielen.“ Im Musiksalon sei man dafür umso direkter mit den Besuchern in Kontakt.
Neben dem Künstler, der gebürtig aus dem Rheinland stammt, waren auch die Gastgeberin Natalia Stuphorn und ihre Schülerin Julia Doer mit Stücken von Joachim Gies zu hören. Im Anschluss an das Konzert konnten die Besucher wieder mit dem Musiker ins Gespräch kommen.
Klaas Büker, Neue Westfälische Zeitung 25.11.08